Kardiologie goes Corona-Forschung: Wer macht hier eigentlich gerade was genau?

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Heute vor einem halben Jahr ging unser Corona-Blog an den Start. Quasi über Nacht war mit SARS-CoV-2 ein neues Forschungsgebiet entstanden, das bis heute auch die Kardiologen am DZHK in Atem hält. Denn Herz-Kreislauf-Patienten sind von der Pandemie besonders betroffen. Viele DZHK-Forschungsgruppen haben deshalb vorrübergehend ihren Fokus auf das Corona-Virus gelegt.

Dieser Blog funktioniert wie eine Zusammenfassung der wichtigsten Ideen und Forschungsansätze, die DZHK-Wissenschaftler verfolgen – mal vom Redaktionsteam, mal von den Wissenschaftlern selbst vorgestellt. Mittlerweile ist das Forschungsfeld unserer Wissenschaftler so groß, dass wir finden: Es ist Zeit für eine Zusammenfassung der Zusammenfassung 😉, um den Überblick zu behalten.

Hier gibt es den Überblick aus unserem Jahresbericht zur Covid-19-Grundlagenforschung und zur Klinischen Forschung am DZHK

Hier im Blog haben wir das Ganze noch ergänzt: mit etwas mehr Infos zu den einzelnen Forschungsfragen sowie weiterführenden Links.

Also: Was genau passiert derzeit in Forschungsgruppen des DZHK? Welche Studien wurden gestartet? Welche Fragen wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beantworten? Wir geben einen Überblick:

Schädigt das Coronavirus das Herz- und Gefäßsystem?

Auf die Frage, ob SARS-CoV-2 Zellen und Gewebe des Herz-Kreislauf-Systems direkt angreift, lautet die Antwort: Ja – in vitro. Und nein – im Körper eher nicht. Eine Forschungsgruppe um den Hamburger DZHK-Wissenschaftler Prof. Thomas Eschenhagen zeigte im Labor, dass Herzmuskelzellen oder Herzgewebe in vitro infiziert werden können und dadurch geschädigt werden. Ob SARS-CoV-2 jedoch eine direkte Infektion der Herzmuskelzellen im Patienten verursachen kann, ist noch nicht geklärt. Mehr

Neben der Frage, ob das Virus eine direkte Schädigung des Herzmuskelgewebes verursachen kann, interessieren sich die Forscher dafür, welche Folgen das Virus für das Herz- und Gefäßsystem von Covid-19-Patienten hat.

So sind die Langzeitfolgen einer überstandenen Covid-19-Erkrankung noch unbekannt. Eine MRT-Studie von DZHK-Wissenschaftlern aus Frankfurt liefert Hinweise, dass Corona das Herz langfristig schädigen könnte. Sie fanden zwei Monate nach Beginn der Krankheit bei 80 Prozent der untersuchten Patienten, die Covid-19 überstanden hatten, Anzeichen für Entzündungen des Herzmuskels – auch bei solchen mit nur leichten Verläufen. Mehr

Einen weiteren wichtigen Puzzlestein zum Verständnis von Covid-19 und den Langzeitfolgen lieferten Kardiologen an den DZHK-Standorten RheinMain und Berlin: Sie fanden bei Patienten, die mit dem Verdacht auf eine akute Herzmuskelentzündung eingeliefert wurden, im Herzmuskel SARS-CoV-2. Das Besondere: Auch wenn die Covid-19-Erkrankung bereits durchgemacht oder einen harmlosen Verlauf hatte, war das Virusmaterial durch Myokardbiopsie – also durch Entnahme winziger Gewebeproben – im Herzmuskel auffindbar. Ob die Herzmuskelentzündung durch das im Herzmuskel gefundene Virusmaterial ausgelöst wurde, etwa durch Vermehrung im Gewebe, ist noch nicht bekannt. Mehr

Dass das Coronavirus Herzzellen infizieren, sich darin vermehren und die Herzzellen verändern kann, zeigte ein Forscherteam aus Hamburg. Sie fanden Virusmaterial in den Herzen von verstorbenen Herzpatienten, die mit SARS-CoV-2 infiziert waren. Ob auch Herzmuskelzellen befallen werden können, zeigt die Studie nicht: Den Haupt-Virusbefall zeigten andere Herzzellen. Ob die veränderte Genaktivität in den Herzzellen auf lange Sicht gesundheitliche Folgen hat, ist noch offen. Dafür sind Reihenuntersuchungen an lebenden Covid-19-Patienten notwendig. Mehr

ACE-Hemmer: ja oder nein?

ACE-Hemmer werden häufig zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt. Das blutdrucksenkende Medikament beschäftigt die Kardiologen: Zu Beginn der Pandemie stand es im Verdacht, es dem Virus zu erleichtern, sich im Körper auszubreiten und wichtige Organe zu schädigen. Klinische Belege dafür gibt es jedoch nicht. Große Beobachtungsstudien legen nahe, dass ACE-Hemmer das Infektionsrisiko nicht erhöhen und auch sonst keinen Nachteil für Covid-19-Erkrankte haben. Auch die Wirkung des Medikaments bleibt bei Covid-19-Patienten erhalten.

Auf die Spur der ACE-Hemmer und ihre Rolle bei Herz-Kreislauf-Patienten mit Covid-19 hatte eine bereits im April 2020 veröffentlichte Studie geführt: Eine Forschungsgruppe um DZHK-Wissenschaftlerin Prof. Stefanie Dimmeler fand heraus, dass es in Herzgewebeproben von Herz-Kreislauf-Patienten mehr ACE2 gibt. Das Protein sitzt auf der Oberfläche von Zellen und dient dem Coronavirus SARS-CoV-2 als Eintrittspforte. Wenn Patienten ACE-Hemmer aufgrund einer Herzerkrankung einnehmen, wird vermehrt ACE2 produziert. Mehr

In einer von drei klinischen Studien, die das DZHK fördert, soll nun endgültig Klarheit geschaffen werden: In wie weit wirkt es sich auf den Verlauf der COVID-19-Erkrankung aus, wenn bei Patienten ACE-Hemmer pausiert bzw. durch Blutdrucksenker mit anderem Wirkmechanismus ersetzt werden? Mit den Ergebnisse wollen die Münchner DZHK-Forscher Behandlungssicherheit schaffen. Mehr

Wichtig für alle Betroffenen: Bis zum Vorliegen der Ergebnisse ist von einem eigenständigen Absetzen von Blutdrucksenkern dringend abzuraten.

Können Blutverdünner Thrombosen vorbeugen?

Vermehrte Blutgerinnsel – also Thrombosen – sind wahrscheinlich eine der häufigsten kardiovaskulären Komplikationen bei Covid-19. Etwa ein Drittel der schwer an Covid-19 erkrankten Patienten versterben sogar an Thrombosen und Lungenembolien. Ob Blutverdünner Herzinfarkt, Lungenembolien oder Schlaganfall vorbeugen und damit die Überlebenschancen verbessern können, untersucht der Berliner DZHK-Wissenschaftler Prof. Ulf. Landmesser in einer klinischen Studie, die das DZHK fördert. Mehr

Mit Smartwatches Risikopatienten erkennen?

Wann ist bei Covid-19-Erkrankten ein Krankenhausaufenthalt notwendig? Und wann ist der optimale Zeitpunkt, um ins Krankenhaus zu gehen? In einer klinischen Studie, die das DZHK fördert, werden Corona-Patienten einer bestimmten Alters- und Risikogruppe, die sich in häuslicher Quarantäne befinden, überwacht. Die Münchner Wissenschaftler statten die Teilnehmer mit einer Hybrid Smartwatch aus. Sie misst EKG, Puls und Sauerstoffsättigung. Verschlimmert sich der Zustand – manchmal fast unbemerkt – können die gemessenen Werte dem begleitenden Team besser Aufschluss darüber geben, welcher Schritt notwendig ist. Mehr

Forschungsdaten für alle und aus einem Guss

Wir wissen, dass es neben der eigenen Forschung genauso wichtig ist, der wissenschaftlichen Gemeinschaft klinische Daten und Proben zur Verfügung zu stellen. Deshalb machen wir beides. Das BMBF hat das „Netzwerk Universitätsmedizin“ (NUM) ins Leben gerufen: Ziel des Netzwerkes ist es, die Forschung zu Covid-19 in Deutschland zusammenführen. Unter anderem geht es darum, eine einheitliche Datenplattform für klinische Studiendaten aufzubauen. Dass es kein Spaziergang ist, Forschungsdaten zentral und standardisiert bereit zu stellen, wissen wir aus langjähriger Erfahrung mit unserer Klinischen Forschungsplattform. So lange bis die endgültige NUM-Plattform steht, stellen wir deshalb unsere Klinische Forschungsplattform für die Covid-19-Forschung zur Verfügung. Mit allem was dazu gehört: Die webbasierte Eingabe von Studiendaten, Bilddaten und Daten zu Bioproben, die Unterstützung der Ethikstelle bei der Erstellung der Patientenunterlagen und die Pseudonymisierung der Patienten durch die unabhängige Treuhandstelle.

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