„Wir brauchen noch mehr Fälle“

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Wer erkrankt an COVID-19? Wie alt sind die Patienten? Haben sie Vorerkrankungen? Welche Medikamente nehmen sie? Diese Fragen können Mediziner derzeit nur anekdotisch beantworten. Ein grobes Bild hat sich so bereits herauskristallisiert: Die Betroffen sind eher alt als jung, eher männlich als weiblich, eher vorerkrankt als gesund.

Mehr kann man noch nicht mit Sicherheit sagen, aber es gibt noch viele Fragen: Haben eingenommene Medikamente Einfluss auf das Krankheitsgeschehen? Welche Vorerkrankungen sind besonders kritisch? Welche Hinweise können Blutwerte gegen?

800 Fälle erfasst

Für die Antworten braucht man mehr Daten und das bedeutet viele Fälle. Das Europäische Register LEOSS sammelt solche Fälle, rund 800 sind es bislang, 170 Kliniken beteiligen sich. Erfasst wird alles, was den Patienten und den Verlauf von COVID-19 charakterisiert: Alter, Geschlecht, Wohnort, Vor- und Begleiterkrankungen, Medikamenteneinnahme, Raucher, Blutwerte, Beatmung und natürlich die Symptome der Erkrankung.

Begonnen hatte LEOSS als  Register der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI), daraus ist eine umfangreiche Datenbank unter Mitwirkung des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung entstanden. Diese wird stetig ausgebaut, um  spezifische Parameter für verschiedene Krankheitsbilder abbilden zu können.  „Wir stehen dazu in Kontakt mit allen medizinischen Fachgesellschaften“, sagt Sandra Fuhrmann von LEOSS. Dabei müsse man einen Spagat zwischen Detailtiefe und Alltagstauglichkeit hinbekommen. Denn schließlich müssten die Mediziner in den Kliniken die Daten in ihrem stressigen Alltag eingeben.

Bis 20 Prozent mit Herzschäden

Für die Herz-Kreislauf-Medizin haben sich das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) und die Deutsche Gesellschaft für Kardiologe (DGK) abgestimmt und gemeinsame Abfrageparameter entwickelt. Enthalten sind Vorerkrankungen des Herz- und Kreislauf-Systems sowie eingenommene Medikamente. Liegen die Patiente im Krankenhaus, werden Herzschäden durch die Messung von Biomarkern wie Troponin und die begleitende Medikamentenbehandlung dokumentiert. Stefanie Dimmeler, die die Beteiligung des DZHK initiiert hat, sagt: „Ich bin begeistert, wie schnell das angelaufen ist und nun deutschlandweit einheitlich Daten erhoben werden. Sicher werden wir dadurch schnell zentrale Fragen beantworten können. Jetzt brauchen wir noch mehr Fälle, die in die Datenbank eingetragen werden.“

Erste Ergebnisse geben bereits interessante Einblicke. Sie zeigen, dass zwischen 10 und 20 Prozent der kritischen Verläufe mit Schäden am Herzen einhergehen. 50 Prozent der Patienten haben kardiovaskuläre Vorerkrankungen.

Erfassen von Bioproben geplant

LEOSS ist ein anonymes Register, so dass eine Einwilligung der einzelnen Patienten keine Voraussetzung ist. So können auch die Daten von beatmeten Patienten und Kindern eingeschlossen werden. Die Datenschutzbestimmungen werden eingehalten, es gibt von etwa 50 Ethikkommissionen ein positives Votum. Durch die Anonymität können die Patienten nicht langfristig verfolgt werden. Dazu ist das Folgeprojekt LEOSS deep geplant. Nach einer informierten Einwilligung der Patienten sollen weitere Daten erhoben und zum Teil auch Biomaterial gesammelt werden.

Mehr Informationen unter:
https://leoss.net

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